Vergiftete Debattenkultur

Nun, da Gishwhes beinahe beendet ist, war für das kommende Wochenende eigentlich eine Vorstellung meinerseits angedacht, welche länger als meine Durchschnittsartikel werden sollte – zumal ich den letzten Sonntag habe ausfallen lassen müssen. Doch nun ist etwas geschehen, das mich zugegebenermaßen sprachlos stimmt, in Anbetracht der Geschehnisse und der einseitigen Berichterstattung in Deutschland zu diesem Fall: Ein Mitarbeiter Googles wird aufgrund von vermeintlichem Sexismus gekündigt.

Während CNN vor ein paar Stunden den Kommentator, Jeffrey Lord, wegen eines satirischen „Pro-Trump“ Tweets gefeuert hat, der nicht einmal in Deutschland gezeigt werden darf (was den Leser durchaus sehr, sehr nachdenklich stimmen sollte), entledigte sich Google James Damore. Warum? Weil er ein mit Studien belegtes und bestücktes „Manifest“ verfasst hat, das auf die biologischen Stärken und Schwächen von Männern und Frauen eingeht. Allem Anschein nach fühlten sich Letztgenannte von dem Schreiben angegriffen und benachteiligt, weshalb Herr Damore postwendend entlassen wurde.

In der zehnseitigen Erklärung wird unter Anderem das Big Five thematisiert, ein Modell aus der Persönlichkeitspsychologie. Grob zusammengefasst werden hier fünf übergeordnete Persönlichkeitsmerkmale eines Individuums ermittelt: Openness (Offenheit), Conscientiousness (Gewissenhaftigkeit), Extraversion (Extraversion), Agreeableness (Verträglichkeit) und Neuroticism (Neurotizismus). Kurz, OCEAN. Herr Damore geht darauf ein, dass sich die Werte geschlechtsspezifisch und, aus biologischer Sicht, oftmals voneinander unterscheiden. So würden Frauen häufiger hohe Werte in Openness aufweisen, wären demzufolge empathischer. Auch lägen sie dadurch einen größeren Fokus auf den Menschen und nicht auf Gegenstände oder Objekte. Männer hingegen wären auf Status und Erfolg bedacht, was eine Begründung dafür darstellen könnte, warum mehr Männer als Frauen in Führungspositionen gelängten. Eine ausführliche Darlegung, Quellenangaben und das „Manifest“ werden Sie am Ende dieses Artikels finden können. Anbei ein Ausschnitt von Damores Schreiben:

Welche ideologisch geprägten Strukturen müssen in einem Unternehmen vorherrschen, wenn ein technischer Mitarbeiter aufgrund einer sachlichen Meinungsäußerung fristlos gekündigt werden kann? Ebenso ist es bedenklich, dass nach der Veröffentlichung eine wahre Hexenjagd auf den einstigen Mitarbeiter veranlasst worden ist, sowohl privat als auch auf sozialen Plattformen. Selbst einige deutsche Journalisten begannen umgehend ihre reißerischen Artikel zu verfassen – und empörten sich inbrünstig über den vermeintlichen Sexismus im Schreiben. Es darf angezweifelt werden, ob die Mehrheit jener Journalisten dieses Manifest überhaupt gelesen hat.

Was betrifft mich das?

Nun, ich bin eine ausgelernte Fachinformatikerin für Systemintegration. Ständig wird sich darüber beschwert, es gäbe zu wenig Frauen in der IT-Branche. Wie ungerecht. Ein Fall für die Frauenquote? Woran liegt das? Werden Frauen innerhalb dieser Domäne von den Männern herausgeekelt oder gar zu schlecht bezahlt? Beides falsch. Es fehlt vielen Frauen schlichtweg das Interesse an einem technischen Werdegang. In der Berufsschule trat in meinem gesamten Jahrgang, neben mir, lediglich noch eine andere Frau die gleiche Lehre an. Könnte es also sein, dass Herr Damore nicht ganz Unrecht mit seiner mit Studien hinterlegten Ansicht hat? Wählen Frauen nicht lieber aufgrund ihrer ausgeprägteren Empathiefertigkeit lieber soziale Berufe, wo sie sich mit Menschen konfrontiert sehen und nicht mit Gegenständen – in meinem Beispiel also Maschinen?

Ich habe viele Jahre in einem Rechenzentrum gearbeitet, Server gewartet und eingebaut, Patchkabel verlegt und den Doppelboden ausgehoben – eine körperlich anstrengende Arbeit. Gefühle sind in meinem Berufsfeld weniger ausschlaggebend, da wir mit eben jenen Gegenständen arbeiten, welche Logik erfordern. So scheint es nicht verwunderlich, dass, zumindest in meinem Unternehmen, fast alle Frauen in der Buchhaltung und im Support tätig waren, wo Einfühlungsvermögen gegenüber Kunden vonnöten ist – und wo die Mitarbeiter*innen mit Menschen interagieren, ihnen helfen, können. Während meiner gesamten Ausbildung kam es nicht ein einziges Mal zu einer Diskriminierung aufgrund meines Geschlechtes, ganz im Gegenteil. Vielmehr gewann ich den Eindruck, dass ich wertgeschätzt wurde, weil sich eine Frau für Technik begeistern konnte und eine Begabung darin aufwies – noch immer eine Seltenheit.

Es ist bedauerlich: Sachliche Debatten scheinen kaum mehr möglich zu sein, weder in den Vereinigten Staaten, noch in Deutschland. Eine Diversität der Kulturen und Geschlechter kann gut und richtig sein, doch wo ist die Diversität von Meinungen und Gedanken geblieben?

Quellen

James Damores Manifest
Artikel zu Jeffrey Lord
Wikipedia: Big Five
Studien: Big Five
Artikel über Sexismus von der Zeit

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